Enge Duelle um Sitze im Senat
Jeder der 50 Bundesstaaten entsendet zwei Senatsposten nach Washington. Derzeit haben die Republikaner eine Mehrheit. Im Gegensatz zum Repräsentantenhaus, bei dem alle 435 Sitze zur Wahl stehen, werden für den Senat laut Wahlrecht nur etwa über ein Drittel der 100 Sitze neu vergeben. Zur Wahl stehen nun konkret 35 Sitze – 33 reguläre Wahlen und zwei Sonderwahlen.
Konkret besteht der bei den Midterms zur Wahl stehende Teil des Senats aus 22 republikanischen und 13 demokratischen Sitzen. Die meisten republikanischen Sitze liegen allerdings in Bundesstaaten, in denen Trump 2024 deutlich gewonnen hat – teils mit zweistelligem Vorsprung. Den Republikanern Sitze abzunehmen, ist für die Demokraten deshalb eine große Aufgabe.
Derzeit 53 zu 45 plus 2
Eine Hürde für die Demokraten ist, dass auch ein Patt – also 50 zu 50 – den Republikanern zugerechnet würde, weil Vizepräsident JD Vance in diesem Fall die entscheidende Stimme abgeben darf. Eine Regel, die die US-Verfassung vorschreibt. Um die Mehrheit im Senat zu erringen, müssen die Demokraten vier von Republikanern gehaltene Sitze gewinnen und zugleich ihre eigenen verteidigen.
Derzeit halten die Republikaner 53 Sitze, die Demokraten 45. Die verbleibenden zwei Sitze sind mit unabhängigen Senatoren belegt, die aber der demokratischen Fraktion angehören. Der überparteiliche und unabhängige Cook Political Report, auf den sich US-Medien oftmals beziehen, stuft sieben Senatsrennen als „Toss-ups“ ein – das bedeutet, dass keine der beiden Parteien eindeutig im Vorteil gesehen wird.
Texas: Potenzial für historische Wende
Fünf der sieben genannten Senatssitze werden derzeit von Republikanern gehalten – konkret in Alaska, Iowa, Kansas, Maine, Ohio und Texas. Die anderen Staaten stehen entweder in republikanischer Tradition bzw. sind Hochburgen, in fünf von ihnen konnte Trump 2024 mit zweistelligem Vorsprung gewinnen.
Als äußerst bemerkenswertes Rennen gilt Texas, wo seit 1988 kein Demokrat mehr in den US-Senat gewählt wurde. Der Demokrat James Talarico fordert den Republikaner Ken Paxton heraus. Einige Umfragen sehen die beiden in Schlagdistanz, die Umfrage von „New York Times“/Siena sieht Talarico klar voran. Auf beiden Seiten werden für den Wahlkampf Unsummen aufgewendet.
Alaska: Demokratin laut Umfragen voran
Eng ist das Rennen auch im republikanisch geprägten Alaska. Dort fordert die Demokratin Mary Peltola den republikanischen Senator Dan Sullivan heraus. Peltola war 2022 als erste indigene Frau aus Alaska ins Repräsentantenhaus gewählt worden, 2024 verlor sie ihren Sitz aber wieder. Trump hatte in Alaska 2024 mit 13 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen, Umfragen („NYT“/Siena) sehen die Demokratin klar voran.
Ebenso umkämpft ist Ohio – und das, obwohl es zuletzt zu einem republikanisch geprägten Staat wurde. Nach seiner Wahlniederlage 2024 versucht der Demokrat und Ex-Langzeitsenator Sherrod Brown in dem Bundesstaat ein Comeback – zwischen 2007 und 2025 saß er in der Kammer. Er tritt gegen den Republikaner Jon Husted an, der 2025 als Nachfolger von Vizepräsident Vance zum Senator ernannt wurde.
Kansas umkämpft: Seit 1932 nur Republikaner
Auch im traditionell republikanisch geprägten Kansas geht es eng zu. Der Bundesstaat hat seit 1932 keinen demokratischen Senator nach Washington entsandt. Cook Political Report stufte Kansas zuletzt zum „Toss-up“ hoch, hält also alles für möglich. Der Demokrat Adam Hamilton fordert den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall heraus. Am Montag trat dort sogar Trump auf, um Marshall zu unterstützen.
In Iowa, wo Trump 2024 mit 13 Prozentpunkten Vorsprung gewann, wird ein bisher republikanischer Sitz neu vergeben. Die republikanische Kongressabgeordnete Ashley Hinson tritt gegen den Demokraten Josh Turek, Abgeordneter in Iowas Parlament und zweifacher Paralympics-Goldmedaillist, an. Die aktuellen Umfragen von „NYT“/Siena (3. Oktober) sah zuletzt Hinson, YouGov Turek knapp vorne.
Maine: Mögliches Ende einer 29-jährigen Ära
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen steht wohl auch in Maine an. Dort muss die republikanische Senatorin Susan Collins gegen den Demokraten Troy Jackson um ihre Wiederwahl kämpfen. Collins gilt als vergleichsweise moderat und sitzt bereits seit 1997 im Senat. Obwohl Maine bei Präsidentschaftswahlen mehrheitlich demokratisch stimmt, konnte sie ihren Sitz 29 Jahre hindurch verteidigen.
Eng könnte das Rennen auch in Michigan werden – generell geht es in dem klassischen „Swing-State“ stets umkämpft zu, nun geht es für die Demokraten darum, einen Senatssitz zu verteidigen. Der Demokrat Gary Peters tritt nicht mehr zur Wahl an. Um die Nachbesetzung rittern der prononciert links ausgerichtete Demokrat Abdul El-Sayed und der Republikaner Mike Rogers.
Georgia: Demokraten wollen Sitz halten
Neben diesen sieben Rennen stehen auch die Senatswahlen in Georgia, North Carolina und New Hampshire im Fokus von Wahlanalysten. CNN zählt sie ebenfalls zu den besonders beachteten Wahlkämpfen. Georgia – ein klassischer „Swing-State“ – sticht heraus: Der demokratische Senator Jon Ossoff sammelte immens viel Geld ein und stellt sich dem republikanischen Herausforderer Mike Collins.
In North Carolina kämpfen der frühere demokratische Gouverneur Roy Cooper und der Republikaner Michael Whatley um einen frei werdenden Sitz. Obwohl Trump den Bundesstaat 2024 gewann, liegt Cooper in Umfragen vorne.
Immense Geldsummen
Immens ist der finanzielle Aufwand. Seitens der Republikaner fließt viel Geld von Großspendern und Super-PACs, also Lobbygruppen, die unbegrenzt Spenden sammeln und damit unabhängig von den Kandidaten Wahlwerbung finanzieren können. Wie die „NYT“ zuletzt berichtete, soll Milliardär Elon Musk seit Anfang Juli mehr als 276 Mio. Dollar (247 Mio. Euro) investiert haben.
Doch auch bei den Demokraten ist äußerst viel Geld im Spiel – wenn auch auf andere Art und Weise lukriert: Denn wie die „Washington Post“ untersuchte, haben die demokratischen Kandidaten und Kandidatinnen in zwölf von 13 umkämpften Senatsrennen mehr direkte Spenden eingesammelt als die Republikaner.
Zugleich war die Stimmungslage im Lager der Republikaner schon einmal besser, denn die Zustimmungswerte für Trump sanken einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge auf ein Rekordtief. Laut einer landesweiten Erhebung von Reuters/Ipsos zeigten sich nur 31 Prozent der US-Bürger mit Trumps Amtsführung zufrieden. Das ist der niedrigste Wert in seinen beiden Amtszeiten.
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