general851 wordsRead on Arc Codex

Gold hoch drei: Ilia Malinin behält die Nerven und gleitet bei den Eiskunstlauf

Gold hoch drei: Ilia Malinin behält die Nerven und gleitet bei den Eiskunstlauf-WM in Prag fulminant auf Platz eins Auf dem Podest in Tschechien stehen nach der Kür fast dieselben Läufer wie vor sechs Wochen bei den Olympischen Spielen in Mailand. Mit einem entscheidenden Unterschied: Der selbsternannte Vierfach-Gott hat seine ersehnte Goldmedaille. Zum dritten Mal in Folge. Für einen Augenblick bleibt in der Wertungstabelle die 4 vor dem Axel stehen. Hat er ihn nun doch gewagt? Hat er sich in nicht einmal einer Sekunde viereinhalb Mal um die eigene Achse gedreht? Selbst die Richter hinter der Bande der Prager Eishalle sind sich nicht sicher. Doch auch ohne diesen «Teufelssprung», den schwierigsten auf dem Eis, ist nach vier Kür-Minuten klar: Ilia Malinin, der «Quad God», wie er sich selbst bezeichnet, der Gott der Vierfachen, ist wieder der Beste aller Besten. Bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften lässt er sich am Samstag, auch ohne die angekündigten sieben Vierfachen, die Goldmedaille um den Hals hängen. Zum dritten Mal in Folge. Das Debakel der Olympischen Spiele, bei denen der 21-jährige Amerikaner vom ersten Platz im Kurzprogramm nach der völlig verpatzten Kür auf Platz acht landete, lässt er in Tschechien vergessen. Im ersten Teil der Kür läuft er noch angespannt. Dann aber steht er den Vierfach-Lutz, veredelt ihn mit einem Euler und dem Dreifach-Salchow in der Kombination und lächelt. Mit scheinbarer Leichtigkeit lässt er den Vierfach-Salchow-Dreifach-Axel folgen, begeistert sein Publikum mit seinem Rückwärtssalto, den er auf einem Bein landet, und brüllt. Es ist sein Befreiungsschrei am Ende harter Wettkämpfe, an denen der Goldknabe gereift ist. Der Schweizer Lukas Britschgi auf Platz 9 Das amerikanische Eiswunder zeigt bei seiner Kür fünf Vierfachsprünge – und läuft mit 329,40 Punkten in der Gesamtwertung allen davon. Der Zweitplatzierte, der fröhliche Eisfloh Yuma Kagiyama aus Japan, in den Skating-Skills teilweise besser als der technisch überragende Malinin, liegt mehr als 20 Punkte hinter dem Sieger. Der Schweizer Lukas Britschgi patzt, fällt – und behält am Ende doch noch seinen neunten Platz aus dem Kurzprogramm. Der deutsche WM-Neuling Genrikh Gartung landet auf dem letzten, dem 24. Platz. «Ich wollte einfach rausgehen, die Atmosphäre geniessen und die Welt des Eiskunstlaufs erleben – und es war mir eigentlich egal, ob ich gewinne oder verliere», sagt Malinin nach der Siegerehrung vor Journalisten. Es ist eine Welt, die er seit einigen Jahren wie kein anderer prägt, der er das Tempo vorgibt und in der er Elemente aufs Eis bringt, die keiner vor ihm auch nur im Ansatz gezeigt hatte. Malinin ist 17, als er den ersten Vierfach-Axel in einem Wettbewerb steht – den Sprung, auf den er nach dem Drama in Italien, trotz der selbstbewussten Ankündigung, in Tschechien verzichtet. Es ist diese Selbstsicherheit, mit der er dem modernen Eiskunstlauf sein Gesicht verleiht. Seine Fans pilgern zu seinen Auftritten, als träte vor ihnen eine Band auf und nicht ein Jüngling, der Pirouetten auf dem Eis dreht und fast 80 Zentimeter hoch, um sich rotierend, in die Luft fliegt. Er gibt den Street-Dancer auf Kufen. Während andere beim Anlauf zu den Sprüngen so wirken, als packe sie die Demut, als liefen sie extra langsamer, um sich auf das Element einzulassen, springt Malinin all die Toeloops, Flips, Rittberger, als zöge ihn eine unsichtbare Hand einfach nach oben, zum Himmel. Bis zu 25 Stunden pro Woche steht der Ehrgeizige auf dem Eis. Die meisten seiner Konkurrenten trainieren 5 bis 7 Stunden weniger. Es ist ein Stück alter sowjetischer Eiskunstlaufschule, die nicht nur in Malinin mitfährt. Die Eltern des Amerikaners machten ihre ersten Schritte auf dem Eis in den Trainingshallen Sibiriens, samt dem Drill, der jedem Eiskunstläufer im Land widerfuhr. Bis heute wird in russischen Eiskunstlaufschulen auf Disziplin gesetzt – und auf Erniedrigung. Die Überzeugung dahinter: Ohne brächten die Mädchen und Knaben nicht die geforderte Leistung. Malinins Eltern kennen den Prozess. Und eigentlich, so betonen sie immer wieder in Interviews, wollten sie den Sohn davon abhalten, sich dem Eiskunstlauf zu widmen. Wie nur, wenn beide Eltern, selbst einstige Olympiateilnehmer, Eiskunstlauftrainer sind? Mittlerweile läuft auch Malinins elfjährige Schwester Elli Beatrice amerikanische Eiskunstlauf-Wettkämpfe. Auch der Kanadier Stephen Gogolev (in Prag auf Platz 4) hat eine Mutter mit sowjetischer Eiskunstlauf-Geschichte, der Amerikaner Andrew Torgashev (in Prag auf Platz 11) Mutter und Vater. 16 von 24 WM-Läufern von Prag werden oder wurden von Trainern oder Choreografen aus der ehemaligen Sowjetunion betreut. Der Japaner Kagiyama setzt auf Ausdruck Den Auftritt in Prag nennt Malinin einen «Neustart für die nächsten vier Jahre». Viel Musik hören wolle er nun, ein paar Eisshows laufen – und doch noch Olympiagold holen, das er in Italien verspielte, weil die Nerven nicht mitgemacht hatten, wie er nach den Olympischen Spielen sagte. Einfach wird es auch in vier Jahren nicht. Yuma Kagiyama ist Malinin in Prag dicht auf den Fersen. Das Kurzprogramm verpatzt der 1,60 Meter grosse Japaner und landet auf Platz sechs. Bei der Kür aber schwebt er geradezu übers Eis. Die enorme Kraft, wie Malinin sie mit jedem Sprung zeigt, ist nicht Kagiyamas Sache. Bei ihm wirkt jeder Lauf sanft – und vor allem fröhlich. In Italien gewann der Japaner Silber. In Tschechien steht er auch auf Platz 2 – mit seiner bislang besten Kür.

How it works

Once you click Generate, Ollama reads this article and crafts 5 comprehension questions. Your answers are graded against the article content — general knowledge won't be enough. Score 70+ to count toward your certificate.

Questions are cached — you'll always get the same 5 for this article.