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Der Wettstreit um das «iPhone der KI-Ära» eskaliert: Apple verklagt Open AI wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen

Der Wettstreit um das «iPhone der KI-Ära» eskaliert: Apple verklagt Open AI wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen Der Vorwurf des iPhone-Herstellers wiegt schwer: Open AI habe zahlreiche Apple-Ingenieure abgeworben und dazu ermuntert, vertrauliche Daten neuer Produkte zu stehlen. Das KI-Unternehmen wehrt sich. Das Silicon Valley rüstet sich für einen Kampf der Titanen: Apple hat am Freitag den KI-Pionier Open AI verklagt. Sam Altmans Unternehmen soll Schlüsselpersonal von Apple abgeworben und gezielt Geschäftsgeheimnisse gestohlen haben, um sich im Rennen um KI-fähige Hardware einen illegalen Vorteil zu verschaffen. Der iPhone-Konzern will den Fall vor einem Geschworenengericht verhandeln. Er verlangt, dass Open AI mit dem Diebstahl aufhört, die entsprechenden Unterlagen zerstört und seine Produkte so umgestaltet, dass sie nicht auf illegal erworbenem Wissen und Patenten von Apple basieren würden. Gezielt abgeworben Die Klage richtet sich gegen die Open AI Foundation, die profitorientierte Tochtergesellschaft Open AI Group, das Designstudio io Products sowie gegen zwei frühere Apple-Ingenieure, die nun beim KI-Pionier arbeiten. Einer dieser beiden Ingenieure, Tang Tan, ist inzwischen der Hardware-Chef bei Open AI. Apple hält seinem Widersacher gemäss der 41-seitigen Klageschrift vor, Mitarbeiter abzuwerben und sie bei Bewerbungsgesprächen gezielt nach Informationen zu bevorstehenden Produktneuerungen ausgefragt zu haben. Open AI soll mittlerweile mehr als 400 Apple-Mitarbeiter angestellt haben. Das Unternehmen habe diese instruiert, gegenüber Apple nichts über ihren neuen Arbeitgeber zu sagen. So könnten sie es vermeiden, per sofort vor die Tür gesetzt zu werden. Während der zweiwöchigen Kündigungsfrist hätten sie dann noch Gelegenheit, auf Apples Geschäftsgeheimnisse zuzugreifen, um diese zu Open AI mitzunehmen. Das heranwachsende Hardware-Geschäft von Open AI beruhe nun, so Apple weiter, «auf dem wackligsten aller Fundamente». Es sei «bis ins Mark verrottet, weil es von illegal erlangten Geschäftsgeheimnissen abhängig ist». Tang Tan, der frühere Vizechef der Produktentwicklung bei Apple, soll bei diesem Unterfangen eine Schlüsselrolle eingenommen haben. Open AI liess gegenüber amerikanischen Medien jedoch verlauten, dass man «kein Interesse an den Geschäftsgeheimnissen anderer Unternehmen» habe. Man fokussiere sich darauf, innovative Technologien zu schaffen, die Menschen auf der ganzen Welt neue Möglichkeiten eröffneten. Besonders zu stören scheint sich Apple auch am Abgang des zweiten angeklagten früheren Mitarbeiters, Chang Liu. Dieser habe im Januar, als er bereits Hardware für Open AI entwickelt habe, regelmässig vertrauliche Informationen zu Hardware-Produkten von Apple heruntergeladen – auch detaillierte Unterlagen zu Produkten, die noch gar nicht auf dem Markt sind. Den Zugang soll er sich über den Laptop eines ehemaligen Arbeitskollegen bei Apple verschafft haben, zudem habe er einen Bug des Authentifizierungsprogramms von Apple ausgenutzt. Zerbrochenes Bündnis Die Klage ist Ausdruck eines immer härteren Konkurrenzkampfs im Silicon Valley, aber auch eines sich rapide verschlechternden Verhältnisses der beiden Streithähne Apple und Open AI. Vor zwei Jahren waren die beiden Unternehmen nämlich noch enge Verbündete, die voneinander profitieren wollten. Apple, das im Umgang mit künstlicher Intelligenz stets eine vorsichtige und abwartende Haltung eingenommen hatte, war damals gegenüber anderen Tech-Firmen in Rückstand geraten. Während KI-Chatbots immer klüger wurden, konnte der eigene Sprachassistent Siri nicht mehr mithalten. Apple vereinbarte, exklusiv Modelle von Open AI zu verwenden, um der anspruchsvollen eigenen Kundenbasis endlich auch führende KI-Produkte anbieten zu können. Man glaubte, mit dem Abkommen auf die besten Modelle zugreifen zu können, ohne selbst Milliarden in deren Entwicklung investieren zu müssen. Für Open AI war die Kooperation eine ideale Gelegenheit, seine Modelle an eine riesige neue Kundenbasis zu bringen. Das Startup war damals dank Chat-GPT zwar schon weltweit bekannt, verdiente aber noch kaum Geld und fokussierte sich darauf, möglichst schnell zu wachsen und den technischen Vorsprung gegenüber anderen Anbietern von KI-Modellen aufrechtzuerhalten. «Das nächste iPhone» wird gesucht Das Verhältnis begann sich zu verschlechtern, als Open AI im Mai 2025 das Designbüro io Products von Jony Ive übernahm. Ive war, bevor er sich mit einigen Arbeitskollegen selbständig machte, lange Jahre Design-Chef bei Apple gewesen und hatte die wichtigsten Produkte des Konzerns geprägt; allen voran natürlich das iPhone. Von Beginn weg wurde spekuliert, dass Open AI mithilfe von Ive darauf aus war, das perfekte intelligente Gadget zu entwickeln, gewissermassen das iPhone des KI-Zeitalters. Wie auch aus der Klageschrift hervorgeht, war das Verhältnis seither von wachsendem Misstrauen geprägt. Die Rechtshändel kommen für beide Unternehmen zu einem kritischen Zeitpunkt. Apple bereitet sich auf den Abgang des Langzeitchefs Tim Cook vor. Sein Nachfolger, John Ternus, kämpft noch immer damit, dass Apple bei der Implementierung von KI-Applikationen in seine Produkte zu langsam vorankommt. Nebst Open AI versuchen auch Konkurrenten wie Meta oder Google, «das nächste iPhone» für das KI-Zeitalter zu entwickeln – ein Produkt, also, das herkömmliche Smartphones überflüssig machen könnte. Es gibt bereits KI-fähige Brillen, Hörgeräte, Ringe und Uhren, aber noch hat sich kein Produkt wirklich durchgesetzt. Für Apple ist das allerdings kein Grund, sich zurückzulehnen. Denn die eigene Erfahrung von der Lancierung des iPhones 2007 zeigt: Ist das «Killerprodukt» einmal auf dem Markt, ist es für viele Konkurrenten bereits zu spät. Blackberry, Motorola und Nokia konnten Apple im Smartphone-Geschäft später nie wieder das Wasser reichen. Es geht für den Konzern um alles oder nichts, denn Apple erzielt die Hälfte seines Umsatzes direkt mit dem Verkauf von iPhones. Das Smartphone bildet zudem das Zentrum eines firmeneigenen Ökosystems aus weiteren Dienstleistungen und Zusatzgeräten, die einen bedeutenden Teil der anderen Hälfte des Umsatzes beisteuern. Open AI unter Erfolgsdruck Auf der anderen Seite steht auch Open AI an einer Wegscheide. Die Kundenzahl scheint zu stagnieren, während die Modelle des Konkurrenten Anthropic das lukrative Firmenkundengeschäft dominieren. Open AI versucht sich mit aggressiven Preissenkungen Marktanteile zurückzuholen, aber das geht zulasten der Profitabilität. Schon jetzt muss sich Sam Altmans Unternehmen zunehmend für die enormen Investitionen in Rechenkapazität rechtfertigen, die es in den nächsten Jahren plant. Auch der Börsengang, der gegen Ende Jahr oder 2027 stattfinden könnte, wird nur dann zum Erfolg, wenn die Investoren davon überzeugt werden, dass Open AI bald der nächste grosse Entwicklungsschritt gelingt. Könnte man «das iPhone der KI-Ära» herausbringen, würde das die Euphorie der Anleger sicher neu entfachen.

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