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Welthandel: Donald Trump verhängt neue Zölle gegen 60 Länder

US-Präsident Donald Trump führt neue Zölle in Höhe von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus 60 Ländern ein. Darunter fallen auch bestimmte Produkte aus der Europäischen Union, wie das Büro des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer mitteilte. Die neuen US-Zölle treten am Freitag um 6.01 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit) in Kraft. Dann laufen die bisherigen Sonderzölle aus, die Trump nach einer Niederlage vor dem Obersten Gerichtshof im Februar in aller Eile verhängt hatte. Sie galten nur für 150 Tage. Die US-Regierung begründete ihre neuen Zölle damit, dass die 60 betroffenen Handelspartner Verbote von Waren, die unter Zwangsarbeit hergestellt wurden, nicht ausreichend durchgesetzt hätten. »Die Vereinigten Staaten haben seit fast einem Jahrhundert ein Verbot von Waren aus Zwangsarbeit und setzen dieses konsequent durch. Es ist höchste Zeit, dass unsere Handelspartner dasselbe tun«, teilte Trumps Handelsbeauftragter mit. USA monieren »unangemessene Handelspraktiken« Trump stützt sich bei den neuen Zöllen auf Paragraf 301 des Handelsgesetzes von 1974. Das Gesetz erlaubt dem Präsidenten, Einfuhrzölle und andere Sanktionen gegen Länder zu verhängen, denen »ungerechtfertigte, unangemessene oder diskriminierende« Handelspraktiken vorgeworfen werden. Trump hatte Paragraf 301 bereits in seiner ersten Amtszeit genutzt, um umfangreiche Zölle gegen China zu verhängen. Diese hielten später gerichtlichen Anfechtungen stand. Bereits Anfang Juni hatte die US-Regierung mit weiteren Handelsschritten gedroht. Dass die wichtigsten Partner der USA nichts gegen Produkte aus Zwangsarbeit unternehmen, sei »inakzeptabel«, hatte Trumps Handelsbeauftragter Greer behauptet. US-amerikanische Arbeitnehmer seien so gezwungen, »weltweit unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen zu konkurrieren«. Diese Ungleichheit werde man »nicht länger hinnehmen«. Je nach Handelspartner hätten die Untersuchungen entweder Zölle in Höhe von 10 oder 12,5 Prozent als »angemessenen Satz« ergeben, heißt es in der Mitteilung. Die Europäische Union wird dort unter anderem mit Taiwan, Japan und der Schweiz als Handelspartner genannt, bei denen für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Zollsätze aufgeführt werden. Ausgenommen von den neuen Zöllen seien Produkte, die sich zum Stichtag schon auf einem Schiff befinden, im letzten Transportabschnitt zum Zielort sind oder vor dem 28. Juli abgefertigt werden. Für Produkte etwa aus Stahl und Aluminium gelten weiter höhere sektorspezifische Zölle. Voraussetzung für neue US-Zölle auf Basis des Paragrafen 301 ist, dass die US-Regierung zuvor Kommentare eingeholt und Anhörungen durchführt. Das hat die US-Regierung etwa im Fall von Brasilien schon getan. Eine entsprechende Untersuchung habe eine Vielzahl unfairer Handelspraktiken offenbart, teilte die US-Regierung Mitte Juli mit und belegte Brasilien mit neuen Importzöllen von 25 Prozent . Zahreiche Staaten reagieren mit Kritik Kanada kündigte umgehend an, sich mit allen Mitteln zu wehren. »Wir intensivieren unsere Handelsverhandlungen mit den USA und werden nicht zögern, unsere Interessen zu verteidigen, wenn es sein muss«, sagte Premierminister Mark Carney. Er schloss Vergeltungsmaßnahmen nicht aus: »Alles ist auf dem Tisch, wenn es keine Einigung gibt«, sagte er. Trump hatte schon am Montag neue Zölle von 50 Prozent für eine Reihe kanadischer Waren angekündigt, darunter Hockeyschläger und Wein. Auch Australien und Neuseeland übten Kritik. Die neuen US-Importzölle seien »völlig ungerechtfertigt«, sagte der australische Handelsminister Don Farrell am Freitag. Er werde die US-Handelsbeauftragten weiter dazu drängen, alle Zölle auf australische Waren wieder aufzuheben, kündigte er an. Neuseelands Regierungschef Christopher Luxon nannte die Nachricht aus Washington »äußerst enttäuschend« und zweifelte die Begründung an: »Die US-Untersuchung hat keine stichhaltigen Beweise für die Behauptungen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit geliefert«, schrieb er auf X. Die japanische Regierung brachte ihr »Bedauern« über die US-Entscheidung zum Ausdruck und betonte: »Japans Industrie und Handel richten sich nach internationalen Regeln.« Chile kritisierte die Entscheidung ebenfalls und verwies auf die nach eigenen Angaben strengen Arbeits- und Kontrollstandards gegen Zwangsarbeit. EU hatte bereits Zugeständnisse gemacht EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich im August 2025 eigentlch auf ein Handelsabkommen geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. Für die meisten Importe aus der EU galt demnach ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Brüssel machte auch Zugeständnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industriegüter. Angesichts der sprunghaften Politik unter Trump hatte die EU aber zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen aussetzen, können die EU-Konzessionen ausgesetzt werden. Dazu gehören etwa erneute Zollerhöhungen. Trumps Zollpolitik ist von zahlreichen Gerichtsstreitigkeiten überschattet. Der US-Präsident hatte kurz nach seinem Amtsantritt öffentlichkeitswirksam einen »Befreiungstag« ausgerufen und zahlreiche Staaten – darunter auch die Europäische Union – mit hohen Importzöllen belegt. Der Supreme Court entschied aber im Februar, dass Trumps frühere Zölle auf Basis eines Notstandsgesetzes rechtswidrig waren. Trump habe dabei seine Befugnisse als Präsident überschritten, urteilte eine deutliche Mehrheit der Richter. Die US-Regierung muss nun Milliarden US-Dollar an Zöllen wieder zurückzahlen.

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