Nach dem Fehlstart: Der 1. FC Union Berlin setzt zur Aufholjagd an
Die Saison war so enttäuschend gestartet. In den ersten vier Spielen der neuen Saison in der Bundesliga hatte der 1. FC Union Berlin nicht einen Punkt geholt, nur im Auftaktspiel gegen den FC Bayern überhaupt ein Tor geschossen. Die neue Trainerin Marie-Louise Eta sollte den Klub in die Top Fünf der Liga hieven, doch nach diesen ersten Partien stand Union am Tabellenende.
Ein Fehlstart, sicher. Doch die Unionerinnen ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Von den Saisonzielen wolle sie nicht nach so wenigen Spielen abrücken, sagte Eta damals. Und nun, etwa einen Monat später, darf sie sich, zumindest in Ansätzen, bestätigt sehen. Das 2:1 (2:1) gegen den 1. FC Nürnberg am vergangenen Sonntag war bereits der dritte Sieg nacheinander in der Bundesliga. Auch im Pokal ist Union eine Runde weiter. Und Eta, so scheint es, könnte ihre Stammelf gefunden haben.
Eta gelingt die Wende
Erstmals in der Saison nahm sie keine Änderungen vor, ließ gegen Nürnberg die gleichen Spielerinnen starten, die beim 4:0-Erfolg in Stuttgart begonnen hatten. „Es läuft gerade gut. Wie man so schön sagt: Never change a running system. Wenn man mehrere Spiele hintereinander gewinnt, gehen viele Dinge einfacher von der Hand. Wir hatten das einfach gebraucht, um reinzukommen“, sagte Eileen Campbell, die großen Anteil am Umschwung hat.
Eileen Campbell setzt sich durch und trifft zur Union-FĂĽhrung.
© IMAGO/Matthias Koch
Nach der 0:3-Niederlage in Köln, der vierten der Saison, rückte sie von den Außenpositionen in den Sturm. Und aus der zentralen Position heraus blüht sie regelrecht auf. Schon beim 3:2 gegen RB Leipzig, dem ersten Saisonsieg, legte sie ein Tor vor und erzielte den Siegtreffer selbst. In Stuttgart hatte sie ein Tor vorbereitet. Gegen Nürnberg traf sie zum zwischenzeitlichen 1:0 für Union – auch wenn sie bei ihrem Kopfball viel Risiko auf sich nahm: „Ich habe gesehen, dass die Torfrau mit den Fäusten herauskommt, und ich hatte ein bisschen Angst um mein Genick. Aber als Stürmerin muss man da natürlich rein. Ich bin froh, dass der Ball im Tor gelandet ist.“
Nele Bauereisen nutzt ihre Chance
Ärgerlich war dann aus Union-Sicht, dass mehrere individuelle Fehler nacheinander nur wenige Minuten nach dem 1:0 zum Ausgleich der Nürnbergerinnen führten. Doch Campbells neue Sturmpartnerin, Nele Bauereisen, stellte gleich mit dem nächsten Angriff den alten Vorsprung wieder her.
Auch Bauereisen präsentierte sich schon in den Vorwochen in Topform. Bei Union ist sie schon seit Januar 2025, lief für Union bereits in der 2. Bundesliga auf, war zuletzt aber eher Joker als Startspielerin. Das änderte sich mit dem Pokalspiel in Magdeburg, in dem Bauereisen an allen Treffern des 5:0-Erfolgs beteiligt war. Eta belohnte sie mit dem Startelfmandat in Stuttgart und erneut am vergangenen Sonntag im Stadion An der Alten Försterei.
Dort traf sie mit ihrem zweiten Bundesligator, ausgerechnet gegen ihren Ex-Klub, zum Sieg, sorgte aber auch für eine Schrecksekunde. Nach einem Zusammenstoß blieb sie zunächst liegen und musste mehrere Minuten behandelt werden, konnte den Platz aber unter dem Applaus der Fans selbstständig verlassen. Von Vereinsseite gab es nach dem Spiel Entwarnung, es gehe der Spielerin gut.
Vierter Sieg in Serie: Union Berlin dreht nach ruhigem Start gegen NĂĽrnberg auf
„Vor allem freue ich mich, dass sie gesund ist, weil es am Anfang nicht so gut aussah“, sagte Trainerin Eta. Und so konnte sie nach dem Spiel in Ruhe über die Leistung der 22-Jährigen sprechen. „Ich finde, Nele macht, seit sie bei Union Berlin ist, eine positive Entwicklung. Es ist schön, dass sie über ihre Trainingsleistungen gezeigt hat, dass sie in den Spielen eine wichtige Spielerin für uns sein kann. Sie wird gut von ihren Mitspielerinnen unterstützt und war heute wieder ein wichtiger Faktor“, lobte sie. „Schön, dass sie sich mit dem Tor belohnen konnte. Gegen ihren Ex-Club ist das natürlich etwas Besonderes.“
Natürlich sah Eta aber noch Raum zur Verbesserung: „Sie ist noch eine junge Spielerin, deshalb müssen wir weiter an ihren Stärken und ihrem Potenzial arbeiten.“ Das klappt in der Regel am besten über Spielzeit. Und so, wie es zuletzt lief, dürfte sie die auch weiterhin bekommen. Besonders wenn sie weiterhin so gut mit Eileen Campbell harmoniert.
Fans und Spielerinnen von Union Berlin jubeln gemeinsam über die nächsten drei Punkte.
© IMAGO/Matthias Koch
Bereit zur Aufholjagd?
Die blickte nach dem Spiel schon längst nach vorne – und zeigte sich bereit zur Aufholjagd: „Ja, natürlich, das ist der Plan. Mit den nächsten Gegnern wollen wir punkten – und ein Stück weit müssen wir das auch, wenn wir unsere Ansprüche verfolgen. Aber jedes Spiel beginnt bei 0:0, und es wird immer 100 Prozent brauchen.“
Als Nächstes geht es für die Eisernen zweimal an die Elbe zum Hamburger SV, erst in der Liga, dann im Pokal. Welches Spiel Campbell davon lieber gewinnen will? „Beide!“
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