Leichte Erholung mit Wermutstropfen
Für 2027 geht das WIFO von einem Wachstum von 1,3 Prozent aus, das IHS rechnet mit einem Prozent. Das führen die Fachleute vor allem auf einen Aufschwung in der Industrie zurück. „Die Frühindikatoren zeigen eine gute Auftragslage und bessere Stimmung in der Industrie“, sagte WIFO-Chef Gabriel Felbermayr bei der Präsentation der Prognose.
Während die Industrie den „Turnaround“ (Felbermayr) geschafft habe, habe der Bausektor seit 2018 „kumulativ 25 Prozent der Bruttowertschöpfung verloren“. „Das ist eine verheerende Bilanz.“ Im Sinne der Belebung der Konjunktur sollte dieser Sektor priorisiert werden, empfahl der Ökonom.
Das könne sich beispielsweise in einer Sanierungsoffensive im Altbau niederschlagen. Wenig Beitrag zur Erholung leiste der private Konsum. Das sei auch auf die in den vergangenen Jahren gesunkenen Reallöhne zurückzuführen. Es brauche eine Sicherung realer Kaufkraft bei gleichzeitiger Sicherung des Standorts, sagte IHS-Chef Holger Bonin mit Blick auf die Herbstlohnrunde.
Energiepreise „größte wirtschaftliche Belastung“
Die hohen Importpreise von Öl und Gas sind die „größte wirtschaftliche Belastung“, so Felbermayr: „Österreich produziert mehr, kann sich aber wegen der hohen Importpreise weniger leisten.“ Man müsse zudem die hohen Strompreise in den Griff bekommen. Der Gaspreis habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verdreifacht. Auch Bonin sieht in den Energiepreisen einen „großen Unsicherheitsfaktor“.
Zusätzliche Unsicherheiten brächten ein mögliches Platzen der KI-Blase, das Sichzuspitzen der Energiekrise und die Politik in den USA, so Felbermayr. „Bauchschmerzen“ verursache ihm aber vor allem die noch nicht ausgestandene Staatsschuldenkrise in Frankreich: „Die Märkte sind nervös.“
Inflation auf „zu hohem Niveau“
Die Inflationsprognose setzen die Ökonomen mit 3,3 Prozent (WIFO) und 3,1 Prozent (IHS) aufgrund der stark gestiegenen Energiepreise für heuer höher als zuvor an. Im kommenden Jahr erwarten sie 2,6 bzw. 2,8 Prozent. Damit bewege sich Österreich im Gleichklang mit der Entwicklung im Euro-Raum-Durchschnitt, so das IHS, liege aber deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von zwei Prozent.
Die Inflation bleibe auf einem „zu hohen Niveau“, so Bonin. Laut dem IHS-Inflationsexperten Sebastian Koch machte der Anteil der Energiepreise an der September-Inflation von 3,6 Prozent etwa ein Drittel aus. Einen starken Einfluss hätten weiterhin die Dienstleistungen.
Eine leichten RĂĽckgang bei der Arbeitslosenquote erwarten die Wirtschaftsinstitute erst im kommenden Jahr auf 7,3 bzw. 7,4 Prozent. Heuer gehen beide Institute von einer Arbeitslosenquote von 7,6 Prozent aus.
Zinsanstieg belastet Budget
Die Ă–konomen sind ĂĽberzeugt, dass die bisherigen Sparanstrengungen nicht ausreichten. Das WIFO sieht auch in einer mittelfristigen Prognose weiterhin Sparbedarf, da das Budgetdefizit laut der Prognose bis 2031 bei ĂĽber vier Prozent bleiben werde, so WIFO-Ă–konom Josef Baumgartner.
Für heuer prognostiziert das WIFO ein Defizit von vier Prozent, das IHS von 3,9 Prozent, im kommenden Jahr gehen sie von 3,8 bzw. 3,7 Prozent aus. Die EU-Defizitgrenze von drei Prozent wird dadurch weiterhin überschritten. Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) möchte dieses Ziel 2028 erreichen.
Das WIFO sieht bis 2031 einen zusätzlichen Konsolidierungsbedarf von neun Milliarden Euro. Denn neben den bisherigen Sparmaßnahmen stehen Maßnahmen zur Abfederung der Teuerung und Dürrehilfen gestiegene Zinsausgaben gegenüber. Die Anleihezinsen seien über den Sommer stärker gestiegen als erwartet, so Felbermayr. Er warnte davor, dass die hohen Zinsen die Budgetsanierung belasten.
Marterbauer rechnet wegen steigender Zinsausgaben für das kommende Jahr mit einem Defizit von 3,6 Prozent statt bisher 3,5 Prozent, wie er am Mittwoch gegenüber dem Ö1-Morgenjournal sagte. Zunehmen dürfte auch die Staatsverschuldung. Das IHS geht heuer von 82,5 Prozent aus, im kommenden Jahr von 83,7 Prozent (WIFO: 83,5 Prozent). Laut der mittelfristigen Prognose des WIFO könnte ohne weitere Maßnahmen die Staatsverschuldung bis 2031 auf einen Höchstwert von 89 Prozent steigt.
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