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Der mächtigste Mann der KI-Welt am Alexanderplatz: Nvidia

Angekündigt war er erst für Mittwoch im Tempodrom. Am Freitagabend stand Jensen Huang schon im XPERION am Alexanderplatz – ohne Eintrag im Programm. Vor dem Saturn-Markt standen die ersten schon um 17 Uhr, eine Stunde bevor Nvidia die Schlange überhaupt eröffnen wollte. Gewartet wurde auf Laptops, auf Goodie Bags, auf eine Verlosung. Gekommen ist der Firmenchef selbst, ohne Ankündigung. „Die Dienste sollten hier in Deutschland erbracht werden“ Auf die Frage dieser Zeitung, was digitale Souveränität praktisch bedeute, antwortete Huang: „Das Wichtigste an Souveränität ist, die eigenen Daten zu kontrollieren, die eigene Handlungsfähigkeit, den Weg, auf dem man seine Technologie voranbringt – und sicherzustellen, dass der Dienst niemals abreißt.“ Und er zog eine Grenze: „Nvidia verkauft Rechensysteme. Dienste liefern wir nicht. Die Dienste sollten hier in Deutschland erbracht werden“, sagte Huang am Freitagabend in Berlin. Den Wendepunkt sieht er erreicht. „Künstliche Intelligenz ist nützlich geworden. Nützlich gemacht haben sie agentische Systeme.“ Europa brauche die Technik, um eigene agentische Systeme zu bauen, sicher und unter eigener Kontrolle. 150 Forscher, 24 Dienstjahre – und kein Europa-Hauptquartier Ob er sich eine Europazentrale in Berlin vorstellen könne, wollte ein Kollege wissen. Huang lachte und antwortete: „Nvidias Hauptquartier ist dort, wo ich bin. Wir brauchen nur eines, nicht mehr. Aber wir haben großartige Büros überall auf der Welt, und ein großartiges hier in Berlin.“ Dieses Büro gibt es länger, als die meisten im Saal vermuten dürften. „Heute war ich dort, wir haben Mitarbeiter gefeiert, die vor 24 Jahren angefangen haben", sagte Huang vor Journalisten. 150 Forscher arbeiten in Berlin an Robotik, autonomem Fahren, Computergrafik und Telekommunikation. „Berlin ist ein besonderer Ort, weil es international ist. Die Stadt zieht Wissenschaftler aus der ganzen Welt an.“ Siemens, Audi, Mercedes – und ein Name, der ihm nicht einfiel Deutschland sei eines der großen Zentren der Industrialisierung, sagte Huang: Diese Technik treffe hier auf das, was Nvidia könne. Er zählte Partner auf – Siemens, Audi, Mercedes, Schneider – und rang sichtbar mit einem weiteren Namen. „Er fängt mit S an. Wir machen hier nicht weiter, bis…" Erst nach einer halben Minute Hilferufe ins Publikum kam er darauf: Schaeffler. Die Aussprache übte er anschließend zweimal. Zur Industriepolitik sagte er: „Ich freue mich, dass die Bundesregierung die deutschen Unternehmen unterstützen wird.“ Beim Thema Trainingsdaten für Industrie-KI winkte er ab. „Die Daten für selbstfahrende Autos stehen allen zur Verfügung – wir fahren ja alle. Einen echten Wettbewerbsvorteil bringen sie nicht.“ Nvidia sammle Daten mit eigenen Testwagen und teile sie mit Mercedes, umgekehrt fließe Material zurück. Firebird in Armenien, Rechenzentren in Zentralasien Eine Antwort ging im Saal fast unter. Auf die Frage dieser Zeitung nach Plänen für Zentralasien sagte Huang: „Zentralasien ist wirklich wichtig, dort gibt es so viele großartige Wissenschaftler – Mathematik, Physik, Informatik.“ Und dann, beiläufig: „In Armenien haben wir bereits KI-Infrastruktur gebaut, mit einem Partner namens Firebird. Armenien, Kasachstan, Usbekistan. Da gibt es wirklich gute Partnerschaften“, sagte er. Grüner Fernsehturm, signierte Laptops Im XPERION, einer der größten Gaming-Flächen Deutschlands, reihten sich Demostationen aneinander: KI-Agenten, Kreativsoftware, Spiele mit DLSS 5. AlexiBexi, FalcoPunch und Alex Wätzel bespielten die Bühne, Entwickler von CD Projekt Red erzählten von der Arbeit an „The Witcher" und „Cyberpunk 2077“. Fünf ASUS ProArt P14 gingen in die Verlosung, jeder von Huang handsigniert. Draußen leuchtete der Fernsehturm in Nvidia-Grün. Künstliche Intelligenz für den Schreibtisch – ab 2899 Euro Mit RTX Spark zieht Nvidia die Technik aus dem Rechenzentrum in den Laptop. Eine Blackwell-Grafikeinheit arbeitet mit einer Grace-CPU und bis zu 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher, große KI-Modelle laufen damit lokal, ohne Cloud. Bezahlbar ist das vorerst für wenige: Die Geräte beginnen bei 2899 Euro und reichen bis 7999 Euro. Im November folgen kompakte Desktops. Die Zuschauer am Alexanderplatz warten gespannt. © BLZ Am Mittwoch spricht er im Tempodrom Der Abend am Alex war die Ouvertüre. Vom 20. bis 22. Oktober holt Nvidia seine europäische Entwicklerkonferenz GTC in die STATION-Berlin, mehr als 10.000 Teilnehmer werden erwartet. Huang betritt am Mittwoch um 11 Uhr die Bühne des Tempodroms, der Stream läuft kostenlos. Reden wird er über souveräne KI, Robotik und Industrieanwendungen – neben ihm auf der Rednerliste stehen Deutsche Telekom, Dassault Systèmes und Mistral AI. Dass Huang seinen Berlin-Besuch nicht im Konferenzsaal beginnt, sondern zwischen Gaming-Rechnern am Alexanderplatz, passt zur Strategie des Konzerns: Künstliche Intelligenz soll nicht länger nur an Rechenzentren verkauft werden, sondern an jeden, der sich einen Laptop leisten kann. Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

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