Bis zu 3,7 Millionen Euro pro Person: China vergibt das bislang höchstdotierte Forschungsstipendium
Chinas staatliche Forschungsförderung hat erstmals 44 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ein Stipendium ausgewählt, das bis zu 15 Jahre dauern kann – länger als jedes vergleichbare Programm in Europa oder den USA.
Der Präsident der National Natural Science Foundation of China (NSFC), Dou Xiankang, hatte die Entscheidung auf einem Forum in Shenzhen bekannt gegeben, wie die gastgebende Southern University of Science and Technology mitteilte. International bekannt wurde die Nachricht durch einen Bericht des Fachmagazins Nature am 20. Oktober.
Was die NSFC ist – und warum ihre Entscheidung Gewicht hat
Die NSFC ist Chinas wichtigste Organisation für die Vergabe staatlicher Forschungsgelder – vergleichbar mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Deutschland. Sie entscheidet jedes Jahr über Zehntausende Förderanträge und verteilt Milliarden Yuan an Universitäten und Institute im ganzen Land.
Wenn eine Organisation dieser Größe ein vollkommen neues Fördermodell einführt, hat das Signalwirkung weit über China hinaus. Denn das Problem, das die NSFC lösen will, kennen Forschende überall: Wer Wissenschaft betreibt, verbringt oft mehr Zeit mit Anträgen als im Labor.
So viel Geld bekommen die 44 Ausgewählten
Die Förderung beginnt mit rund vier Millionen Yuan für fünf Jahre – umgerechnet etwa 500.000 Euro. Wer danach für eine zweite Periode ausgewählt wird, erhält das Doppelte: acht Millionen Yuan. In der dritten und letzten Phase steigt die Summe erneut auf 16 Millionen Yuan. Zusammen ergibt das bis zu 28 Millionen Yuan, knapp 3,5 Millionen Euro.
Diese Beträge gehen auf eine Reformankündigung der NSFC aus dem Jahr 2023 zurück. Für bestimmte Fächer wie Mathematik nennt ein Medienbericht unter Verweis auf die NSFC niedrigere Ausgangsbeträge von 2,8 Millionen Yuan. Da die Fachgebiete der 44 unbekannt sind, lässt sich die genaue Summe pro Person nicht beziffern.
Warum „15 Jahre“ nicht „15 Jahre garantiert“ bedeutet
Die Zahl klingt nach einer festen Zusage – ist aber ein Höchstwert. Garantiert sind zunächst nur fünf Jahre. Danach entscheidet ein Auswahlverfahren, wer verlängert wird. Nach den bisherigen NSFC-Regeln sollen höchstens 20 Prozent eine erste Verlängerung erhalten, von diesen wiederum höchstens die Hälfte eine zweite.
Ob diese Quoten unverändert für die 44 gelten, hat die NSFC nicht öffentlich bestätigt. Rechnerisch würden von den 44 Geförderten nach diesen Regeln nur etwa vier bis fünf Personen tatsächlich die vollen 15 Jahre und die Höchstsumme erreichen.
„Wir prüfen nur eines: ob ihr im Labor seid“
Mit diesem Satz fasste NSFC-Präsident Dou die Philosophie des Programms zusammen, wie der Sender Shenzhen TV berichtet. Jährliche Fortschrittsberichte, Publikationsdruck, kurzfristige Zielkontrollen – all das soll entfallen.
Ganz ohne Bewertung läuft das Programm allerdings nicht. Die NSFC führte im April 2026 eine Abschlussbegutachtung laufender Projekte durch, auf deren Grundlage über Verlängerungen entschieden wurde. Dous Versprechen bedeutet also: weniger Bürokratie während der Förderung – aber eine Prüfung an den Übergängen zwischen den Fünfjahresblöcken.
Wer die 44 sind – und warum niemand ihre Namen kennt
Die Identität der Geförderten ist bislang nicht veröffentlicht. Bekannt ist nur: Alle sind jünger als 35, Frauen dürfen bis 38 sein. Neun sollen laut Dou „aus dem Ausland“ stammen, wie das Wirtschaftsmedium Yicai berichtete – ob damit ausländische Staatsangehörige oder chinesische Rückkehrer gemeint sind, blieb offen.
Die offizielle NSFC-Programmbeschreibung bestätigt, dass seit 2026 eine eigene Auswahlspur für besonders junge Forschende existiert. Fachgebiete, Institutionen und konkrete Forschungsvorhaben der 44 nennt sie nicht.
Was Europa und die USA im Vergleich bieten
In Europa hat der Europäische Forschungsrat 2026 erstmals ERC Plus Grants ausgeschrieben: bis zu 7 Millionen Euro, aber nur für maximal sieben Jahre. Die Ergebnisse der ersten Runde sollen 2027 feststehen.
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Das US-amerikanische Howard Hughes Medical Institute bietet mit dem Freeman Hrabowski Scholars Program bis zu zehn Jahre Förderung. Anders als bei der NSFC werden die Geförderten dort fest angestellt und erhalten Gehalt sowie Sozialleistungen – ein grundlegend anderes Modell. Mit seinem möglichen 15-Jahres-Horizont geht das chinesische Programm deutlich über beide Vergleichsformate hinaus.
Was das für die Wissenschaft bedeuten könnte
Das Programm setzt ein starkes Signal: Junge Forschende sollen mehr Zeit bekommen, bevor ihre Arbeit beurteilt wird. Wenn das Modell funktioniert, könnte es riskante Grundlagenforschung ermöglichen, die in kurzen Förderzyklen keine Chance hätte.
Ob dieses Versprechen die nächsten 15 Jahre überdauert, muss sich allerdings erst zeigen. Zentrale Fragen bleiben offen: Welche Forschungsgebiete decken die 44 ab? Ist die Finanzierung bis zum möglichen Ende im Jahr 2041 tatsächlich im Haushalt gesichert? Und wird das Programm riskante Forschung fördern – oder vor allem Karrieren beschleunigen, die ohnehin auf Erfolgskurs sind?
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