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Chips, Strom, Kühlung: Diese Schweizer Unternehmen erwecken die KI zum Leben

Chips, Strom, Kühlung: Diese Schweizer Unternehmen erwecken die KI zum Leben Datenzentren sind vollgestopft mit Ausrüstung und Erfindungen aus der Schweiz. Die NZZ stellt jene Firmen vor, die den KI-Boom möglich machen – und davon profitieren. Künstliche Intelligenz breitet sich schnell im Alltag aus. Möglich machen das Datenzentren, die insbesondere in den USA wie Pilze aus dem Boden schiessen. Allein die grossen amerikanischen Tech-Konzerne investieren Hunderte Milliarden Dollar in den Bau. In diesen riesigen Gebäuden stecken viel Ingenieurskunst und Spitzentechnologie. Zu den Zulieferern zählen über ein Dutzend Schweizer Unternehmen, die mit ihren Produkten den digitalen Siegeszug möglich machen. Manche Firmen treten in der Öffentlichkeit selten in Erscheinung. Sie sind die versteckten Schweizer Champions des KI-Booms. Auffällig ist der Erfolg von Schweizer Mikrotechnik, oft aus der Hand klassischer Industrieunternehmen. Der Grund seien die hohe Qualität und die Zuverlässigkeit, erläutert Adriaan Spierings, Industrieexperte beim Branchenverband Swissmem. Das gehe bis auf die Uhrenindustrie zurück, in der es ebenfalls auf die Fertigung kleiner Komponenten mit konstant höchster Präzision ankomme. Diese Expertise habe die Firmen auch in andere Sektoren geführt, darunter die Halbleiterindustrie. Die Ergebnisse sind gut, aber nicht billig: Schweizer Tech-Zulieferer seien in fast allen Sektoren teurer als die Konkurrenz, räumt Spierings ein. Aber entscheidend sei die hohe Leistungsfähigkeit der Produkte: «So gelingt es vielen Schweizer Firmen, in ihrer Nische zur Weltspitze zu gehören und absolut wettbewerbsfähig zu sein.» Zwar würden asiatische Anbieter aufholen, insbesondere bei Neuentwicklungen. Doch noch bestehe ein Qualitätsabstand. Deshalb boomen die Aufträge. Zum Beispiel beim Halbleiterzulieferer VAT im St. Galler Rheintal. Dort gingen von Juli bis Ende September fast dreimal so viele Bestellungen wie im Vorjahreszeitraum ein – so viele wie nie in der Firmengeschichte. Das Unternehmen habe weltweit 450 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, wie es am Donnerstag bekanntgab. Der Aktienkurs hat binnen eines Jahres um mehr als 60 Prozent zugelegt. Aber was macht VAT genau? Ohne Chips geht nix: Einsatz für VAT, Comet, Inficon und Huber + Suhner Datenzentren und KI benötigen immer mehr und immer stärkere Computerchips. Das hat Chip-Entwickler wie Nvidia ins Scheinwerferlicht gerückt. Doch um die Chips zu produzieren und ihre Leistung zu nutzen, braucht es Hightech-Maschinen und Komponenten. Hier kann die Schweizer Industrie ihre Stärken voll ausspielen: - VAT aus Haag im Rheintal: Hinter dem Akronym für den alten Firmennamen «Vakuum Apparate Technik» verbirgt sich der weltgrösste Anbieter von Vakuumventilen für Chip-Produktionsanlagen. Diese Maschinen müssen in einem absoluten Vakuum arbeiten, damit die winzigen Schaltkreise auf den Chips angebracht werden können. Die Ventile stellen sicher, dass bei der Fertigung wortwörtlich nichts dazwischenkommt – keine Partikel, nicht einmal Luft. Schon winzige Mengen könnten die Chips unbrauchbar machen. - Comet aus Flamatt (Freiburg): Chips werden hergestellt, indem extrem kurzwelliges Licht auf die Silizium-Wafer projiziert wird. Auch wird ionisiertes Gas eingesetzt, sogenanntes Plasma, das Strukturen auf die Oberfläche der Wafer ätzt. Comet stellt Systeme her, die dieses Plasma im Vakuum auf die Chips auftragen. - Inficon aus Bad Ragaz: Auch Inficon spielt eine grosse Rolle, um Fehler bei der Chip-Produktion zu verhindern. Die Firma fertigt Sensoren und Analysegeräte, die das Vakuum, die Reinheit der Produktionsräume und die Reaktion der eingesetzten Gase überwachen. - Huber + Suhner aus Herisau: Die besten Chips nutzen wenig, wenn die Datenleitungen langsam sind. Huber + Suhner, ein Spezialist für Verbindungstechnik, entwickelt Glasfaserverbindungen und optische Schalter. Bei dieser neuen Art von Schaltern werden die Lichtsignale direkt weitergeleitet und nicht zuerst in elektrische Impulse umgewandelt. Das spart Zeit im Datenaustausch zwischen den Server-Schränken. Immer online: ABB und Accelleron sorgen für Strom Datenzentren und KI-Anwendungen brauchen viel Strom. Schweizer Unternehmen bauen zwar keine Kraftwerke – aber bei der Verteilung und Übertragung der Elektrizität können sie helfen. Ein Rechenzentrum sollte sich keinen Stromausfall erlauben. Um die stabile Versorgung zu garantieren, braucht es mehr als den Anschluss an das Stromnetz. - ABB aus Zürich: Der grösste Schweizer Industriekonzern hat sich auf Elektrifizierung und Automatisierung fokussiert – und der Elektrobereich kann sich vor Aufträgen kaum retten. Schaltanlagen und Transformatoren von ABB regulieren die Hochspannung des Stromnetzes herunter und leiten sie bis an die Server-Schränke. Der Konzern arbeitet auch mit Nvidia an effizienten Gleichstromnetzen für die nächste Generation von Rechenzentren. - Accelleron aus Baden: Auf den ersten Blick passt Accelleron nicht hierher, denn das Spin-off von ABB produziert Turbolader für grosse Verbrennungsmotoren. Sie machen die Motoren effizienter und leistungsfähiger. Doch Datenzentren besitzen Notstromaggregate, und die werden mit Diesel betrieben. In diesen Aggregaten kommen die Turbolader von Accelleron zum Einsatz. Abseits dieser Schwergewichte profitieren auch kleinere Firmen vom Stromhunger: Das Unternehmen LEM aus Meyrin im Kanton Genf stellt Strom- und Spannungssensoren her, um den Netzbetrieb im Rechenzentrum zu überwachen. Die R&S Group aus Sissach in Basel-Landschaft produziert ähnlich wie ABB Transformatoren und Spannungswandler. Die Wärme muss weg: Belimo und Georg Fischer bringen Kühlung Ein grosser Teil des Strombedarfs von Datenzentren wird für die Kühlung der Chips und Server benötigt. Weil die Chips immer leistungsfähiger und dichter platziert werden, entwickelt sich beim Betrieb mehr Wärme. Die klassische Kühlung durch Luftströme stösst an ihre Grenzen. Kühlendes Wasser, sonst der natürliche Feind jeder Elektronik, wird zu einem unentbehrlichen Helfer. - Belimo aus Hinwil (Zürich): Belimo bietet zwar auch Systeme für Luftkreisläufe an, aber die Stärken des Unternehmens liegen bei der Kühlung mit Wasser: Die Firma ist Marktführerin für Ventile und Sensoren zur Verteilung der Wassermenge. Das Wasser wird direkt an den Chips entlanggeleitet und der Zufluss intelligent gesteuert, so dass er sich immer an die aktuelle Auslastung der Chips anpasst. - Georg Fischer aus Schaffhausen: Das Industrieunternehmen kennt sich mit fliessendem Wasser in allen Anwendungsformen aus, von Heizkreisläufen über die Wasseraufbereitung bis zum Management von Regenwasser. Auch Rohrleitungssysteme und Verteiler für Kühlwasser gehören zum Angebot. Kein Wunder, schiesst der Auftragseingang von Rechenzentren bei Georg Fischer durch die Decke. Der enorme Baubedarf bringt auch die grossen Schweizer Bauzulieferer ins Spiel: Die in Zug angesiedelte Sika, der weltgrösste Hersteller von Bauchemie, produziert Beschichtungen, um zum Beispiel das Eindringen von Feuchtigkeit ins Gebäude zu verhindern. Die Zementkonzerne Holcim aus Zug und Amrize, Holcims abgespaltenes Geschäft in Nordamerika, liefern den Beton für die massiven Rechenzentren. Zeit ist Geld: Kühne + Nagel drückt beim Transport aufs Tempo Alle Ausrüstung für den Bau und Betrieb von Datenzentren hat eines gemeinsam: Sie muss an ihren Bestimmungsort gebracht werden. Im Wettrennen der Tech-Konzerne ist kein Platz für langwierige Transporte. Davon profitiert Kühne + Nagel mit Sitz in Schindellegi, der weltgrösste Speditionskonzern. Die Tech-Konzerne lassen sich das Material per Flugzeug liefern – der teuerste Weg des Transports. Der Seeweg mit dem Containerschiff wäre viel günstiger, würde aber Wochen statt Stunden dauern. Das macht den Transport von Halbleitern und der Ausrüstung für Rechenzentren zu den wichtigsten Wachstumstreibern im Luftfrachtgeschäft von Kühne + Nagel. Der Umsatz in der Luftfracht wuchs allein von April bis Juni währungsbereinigt um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Dank diesem Beitrag hat Kühne + Nagel die Erwartungen der Analysten klar übertroffen und prognostiziert nun auch für das Gesamtjahr einen höheren Gewinn. Im September hat der Logistikriese eine strategische Partnerschaft mit Amazon bekanntgegeben, um Material für dessen Cloud-Infrastruktur zu transportieren. Das Unternehmen setzt auch selbst auf künstliche Intelligenz. KI-Agenten sollen unter anderem helfen, die Abläufe in der Logistik besser zu planen. Kühne + Nagel rechnet mit einer Steigerung der Produktivität um 5 Prozent. So schliesst sich der Kreis: wenn die KI einem Schweizer Unternehmen hilft, eine im KI-Boom gewonnene Spitzenrolle zu behalten.

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